Archiv für Januar 2011

Damit’s mal richtig sitzt – Antifaschistische Demonstration am 5. März 2011 in Chemnitz

Damit\'s mal richtig sitzt - Antifa-Demo am 5. März 2011
Polizeiliche Repression gegen Antifaschist_innen, eine zahnlose bürgerliche Demonstration und durch die Stadt ziehende Geschichtsrevisionisten/-innen und Antisemiten/-innen – Grund genug auf die Straße zu gehen!

Start um 11:00 Uhr am AJZ Chemnitz (Chemnitztalstraße 54)

Jährlich marschieren am 5. März, dem Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz 1945, mehrere hundert Neonazis auf. Dies wird zum Anlass genommen einen städtischen Ausnahmezustand sowie einen zivilgesellschaftlichen Aufstand auszurufen. Eine Stadt mit dem Wunsch, neben der Universität und der Beherbergung der ältesten Bewohner_innenschaft Europas, Technikcampus-Firmen und Fachkräfte anzulocken, benötigt ein weltoffenes, friedliches und tolerantes Image. Ganz im Sinne moderner Bürgerlichkeit schreiten Demokratiebewegte jedes Jahr gegen Nazis und für Frieden ein. Leider normal ist dabei das Zusammenspiel von sogenannter Zivilgesellschaft, die die Stadt im antifaschistischen Massenspektakel verteidigen wollen, und städtischer Verwaltung und Polizei, die darum bemüht sind alles in geordnete Bahnen zu lenken.
Die geschätzten Kolleg_innen der Chemnitzer Wachtmeisterei waren immer vor Ort, um dafür zu sorgen, dass neben zivilgesellschaftlich-kommunalen Unmutsbekundungen ein reibungsloser Ablauf der Nazi-Aktionen möglich ist. Gegen einen Großteil derer, die dem neonazistischen Gedenken etwas entgegenzusetzen versuchten, steigerte sich von Jahr zu Jahr der Repressionsdruck. Die Chemnitzer Bereitschaftspolizei fiel dabei wiederholt wegen ihres aggressiven oder schlicht vorzivilisatorischen Verhaltens auf. Das Bild vom Gruppenführer, der seine abgerichteten und wild gewordenen Beamten gerade noch unter Kontrolle hat, ist ein bekanntes Motiv.
Am 5. März 2011 gilt es zu intervenieren, um den Frieden im Rahmen des Gedenkens sowie die Ordnung im Umgang mit Neonazis in der Stadt aufzukündigen!
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Die linke Formierung

Ein Text von Antifaschistische Gruppe Freiberg

„[D]ie Entscheidung ist gefallen. Für den 19. Februar 2011 gibt es die Großmobilisierung zu Massenblockaden nach Dresden.“ Dass man vor diesem Spektakel, bei dem das Gros der Teilnehmenden an den unheimlichen Aufmarsch der ML-Zombies auf der LLL-Demo beinahe heranreicht, besser Reißaus nehmen sollte, möchten wir im Folgenden versuchen darzulegen.

Der Fluch des Superlativs!!!

Großmobilisierung; Massenblockaden; Event; Europas größter Naziaufmarsch; endgültig Geschichte werden zu lassen; bundesweit; auf jeden Fall zu verhindern; können und werden wir nicht; öffentlichkeitswirksam; aktiv werden; Aktionstag; trommelt alle eure Freunde zusammen usw. usf. Diese Sprache spricht Bände. Man braucht nicht erst Victor Klemperers L.T.I. zu lesen, um den Tatendrang, die Kraft und den superlativierten Sinn zu erkennen, mit denen bei no pasarán und Dresden-Nazifrei Politik gemacht wird: Mit einer Sprache, die schon von ihrer Struktur her auf etwas verweist, das zum Fürchten ist. Welch autoritärer Gestus muss in den Köpfen der Menschen herrschen, die die überwiegende Zahl ihrer Ergüsse mit Ausrufezeichen beenden und für die es Höchstleistungen darstellt, Sätze zu formulieren. Sätze, die diese Bezeichnung verdienen und vom Jargon emanzipiert ohne Verlautbarungen der Entschlossenheit und Versicherungen der eigenen, gemeinsamen Identität auskommen. Sätze also, die Inhalt, oder im höchsten aller Fälle gar Kritik, transportieren. (mehr…)

Dresdner Denkmal Stories – Widersprüche zwischen Wiederaufbau und Opferidentität

dresden denkmal

Lange Zeit hatte Dresden einen sehr markanten Ort der an die Bombardierungen vom 13. und 14. Februar 1945 erinnerte. Die Ruine der Frauenkirche, zum Zeitpunkt des Einsturzes »Dom der Deutschen Christen«, war ein weithin bekanntes Zeichen, dass das Ergebnis des 2. Weltkrieg auf den Punkt brachte: das nationalsozialistische Deutschland hat verloren. Die Ruine stand symbolisch für die Wunden der Deutschen und war damit prädestiniert für ihre Opferinszenierungen. Der mit der Wiedervereinigung aufgekommenen »Wir sind wieder wer«-Rhetorik passte sie jedoch nicht in den Kram. Der Wiederherstellung der vollumfänglichen Souveränität Deutschlands musste auch architektonisch Rechnung getragen werden. Entsprechend wurde der Wiederaufbau in beeindruckendem Tempo vorangetrieben und als Projekt von nationaler Bedeutung inszeniert. Mittlerweile ist nahezu die gesamte Dresdner Altstadt mit Rekonstruktionen von Barockfassaden überfüllt: die Innenstadt gleicht einem großen Museumsdorf, das jeden historischen Bezug zum Nationalsozialismus und dessen Niederschlagung vergessen und stattdessen eine kitschig-romantische, »rückwärts gewandte ‚Utopie‘«[1] stark macht. Das mag etwa die Barockfundamentalist_innen der »Gesellschaft historischer Neumarkt« glücklich stimmen, bereitet aber dem 13. Februar-Gedenken ernste Probleme. Dass hier Krieg war, dass Dresden Ort eines »Kriegsverbrechen« gewesen sein soll, ist zumindest anhand der baulichen Substanz nicht mehr zu erkennen. Je mehr Dresden wiederaufgebaut wird, je bruchloser und glatter das geschieht, umso mehr verliert die Stadt ihre Opferidentität. Da diese aber zentral für das städtische Selbstverständnis ist, braucht es eine Form der Kompensation. Ein Denkmal muss her. Nicht irgendeines, sondern ein »würdiges, zentrales« muss es mindestens sein. Und so hält sich seit der Wiedereröffnung der Frauenkirche eine kontinuierlich geführte Diskussion um immer neue und wirklich würdige Denkmale. Dass bereits zahlreiche 13.Februar-Denkmale existieren, durchschnittlich eines pro Jahr eingeweiht wird, sorgt nicht für ein Abklingen der Forderung. Angetrieben vom Widerspruch zwischen Wiederaufbau einerseits und der möglichst eindrucksvollen Darstellung des Dresdner Leids anderseits, geht die Suche nach dem ultimativen Denkmal weiter. (mehr…)

Aufruf No pasaran: NAZIS BLOCKIEREN – EXTREMISMUSQUATSCH UND OPFERMYTHEN BEKÄMPFEN

dresden 2.11

Am 13. Februar 2010 haben wir in Dresden mit entschlossenen Blockadeaktionen den größten und wichtigsten Naziaufmarsch Europas in Dresden verhindert. Wir haben den Rahmen des symbolischen Protests verlassen und mit der Aktionsform Massenblockade den kollektiven Ungehorsam auch nach Dresden getragen. Mit Tausenden von Menschen, haben wir den Ort der Auftaktkundgebung der Nazis umzingelt und konnten so den Naziaufmarsch verhindern. Die Nazis mussten völlig frustriert die Heimreise antreten.

Auch im kommenden Februar werden wir den geplanten Naziaufmarsch in Dresden verhindern. Dazu werden wir wieder mit Tausenden von Menschen Massenblockaden errichten und mit allen solidarisch sein, die unser Ziel der Verhinderung des Aufmarsches teilen.

Der alljährlich als Trauermarsch inszenierte Großaufmarsch stellt mit zuletzt über 6.000 TeilnehmerInnen den größten Naziaufmarsch Europas dar. Aber er ist nicht nur wegen seiner Größe relevant, sondern auch wegen seiner Ausstrahlungswirkung ins europäische Ausland und seiner Binnenwirkung in die verschiedenen, sonst oft zerstrittenen Spektren der Nazis. Autonome Nationalisten, NPD, DVU, der ganz rechte Rand von Burschenschaften und Verbänden sowie Nazis aus anderen europäischen Ländern kamen zusammen und konnten sich gemeinsam als mächtige Bewegung darstellen und erleben. (mehr…)




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