Traditionsbewusst

Wolkenstein steht wohl schon länger in enger Verbindung mit Deutschtum und Militär. So hat die Stadt eine Patenschaft mit der 6. Kompanie des Panzergrenadierbattaillons 371 in Marienberg.1Der damalige Reichshauptstellenleiter im Rassepolitischen Amt der NSDAP Wolfgang Knorr (1911–1940), stammte aus Wolkenstein.2 Jetzt, seit Mitte Oktober findet im Wolkensteiner Militärhistorischem Museum am Schloßplatz eine „Sonderaustellung“ über „Schutztruppler der ehem. deutschen Kolonien – Deutsch-Südwestafrika“(Anm. das heutige Namibia) statt. Organisiert wurde die Ausstellung vom „Förderverein Militärhistorisches Museum Wolkenstein e.V.“ und des „Arbeitskreises Sächsische Militärgeschichte e.V. Dresden“. Laut dem Förderverein stellen „persönliche Schicksale von Menschen aus dem Erzgebirge“ welche damals „im aktiven Militär- und Polizeidienst“ waren einen „besonderen Schwerpunkt“ dar.3 Dabei handelt es sich nicht um eine harmlose Ausstellung mit Orden, Waffen, Uniformen und Fotografien von militärischen Einheiten in den deutschen Kolonien Afrikas von 1891 bis 1918. Nicht nur Kolonialnostalgiker_innen und Kolonialgeschichtsrevisionist_innen aus dem Erzgebirge werden beim frequentieren der rechtslastigen Ausstellung ins Schwärmen kommen.

Ausgelassen wird, dass Angehörige der „Schutztruppen“ sich an dutzenden Massakern und Aufstandsniederschlagungen an den, gegen ihren Willen Kolonisierten und Ausgebeuteten, beteiltigten. Gräueltaten werden zu deutschen „Heldentaten“ verklärt. Das aber diesen gerade in Namibia zehntausende Hereros und Namas zum Opfer fielen wird ebenfalls ausgelassen. Der erste Genozid im 20. Jahrhundert zielte auf die vollständige Vernichtung der Herero ab. „Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muß […]“4 so der damalige deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha. Auf der Homepage des Vereins aus Wolkenstein wird hingegen gejammert, dass „eines der geschichtsträchtigsten Symbole des Landes Namibia – Der Reiter von Südwest – in Windhuk von seinem angestammten Platz aus ideologischen Gründen verschwinden soll.“5 Ein geschichtsrevisionistisches „Reiterdenkmal“, welches an die deutschen „Opfer“ errinnern soll.

Hier ist eine inhaltliche Kritik mit deutschem Kolonialismus, Rassismus und Geschichtsrevisionismus wichtiger und richtiger als eine „Nüchtern und ohne ideologische Scheuklappen“ gezeigte Ausstellung über „Schutztruppler der ehem. deutschen Kolonien – Deutsch-Südwestafrika“!6

Autonome Antifa November 2009

  1. www.de.wikipedia.org/wiki/Wolkenstein_%28Erzgebirge%29 [zurück]
  2. www.de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Knorr [zurück]
  3. www.ambrossgut.com/mhm/SOA/index.htm (Kopie liegt vor) [zurück]
  4. Brief an Generalstabschef Graf von Schlieffen [zurück]
  5. www.ambrossgut.com/mhm/SOA/index.htm (Kopie liegt vor) [zurück]
  6. www.ambrossgut.com/mhm/SOA/index.htm (Kopie liegt vor) [zurück]




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